“24 Sprachen unter einem Dach an der Sekundarschule” :: Der Patriot

Es gibt so viel, was einen Menschen ausmacht. Die Muttersprache gehört dazu. Sie trägt zur kulturellen Identität bei. Darauf und dass viele Sprachen vom Aussterben bedroht sind, soll der Internationale Tag der Muttersprache aufmerksam machen. Auch die Schüler der Sekundarschule Anröchte/Erwitte haben den Tag mit vielen Aktionen gefeiert.

Erwitte/Anröchte „Wir haben das jetzt seit ein paar Jahren fest implementiert, dass wir anlässlich des Tages der Muttersprache am 21. Februar, etwas machen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Ute Stukenberg.

Immer wichtiger würde es in der heutigen Zeit, Akzeptanz für die verschiedenen kulturellen Identitäten in der Gesellschaft zu schaffen. An der Sekundarschule Anröchte/Erwitte würde es unter den Schülern alleine 24 Herkunftssprachen geben.

Viel geht es an diesem Tag um die Sprachen der Schüler sowie die Fremdsprachen, die sie beherrschen. In einigen Jahrgangsstufen stellen sich die Jugendlichen verschiedene Sprachen, aber auch unterschiedliche Dialekt gegenseitig vor und sprechen über die Unterschiede.

Für einige Jahrgangsstufen haben sich die Schüler und Lehrer anlässlich des Gedenktages ein paar ganz besondere Aktionen ausgedacht.

Die frisch ausgebildeten Courage Coaches (siehe Artikel unten) lassen zum Beispiel ihre Mitschüler aus der Klasse 9d die Kochlöffel schwingen. Wer aus der Klasse einen Migrationshintergrund hat, sollte ein bis zwei Lieblingsgerichte aus dem Land aussuchen, aus dem sie oder ihre Vorfahren stammen. Die ganze Klasse hat sich dann in kleine Gruppen aufgeteilt, um die Gerichte jeweils zu kochen. Kellogs-Kuchen mit Sonnenblumenkernen, ein Dessert mit Weintrauben und Cookies sowie Manti – mit Fleisch gefüllte Teigtaschen – gibt’s aus Russland und Kasachstan. Baklava aus Albanien. Aus Polen werden die mit Fleisch gefüllten Teigtaschen Piroggi gemacht. Aus Kartoffeln, Thunfisch und Ei entsteht Katlet, ein Snack aus Sri Lanka. Auch eine deutsche „Spezialität“ bereiten die Schüler zu: Buchstabensuppe. Am Ende darf jeder von jedem Gericht probieren. „Wenn jeder sein Lieblingsgericht aus dem Land, aus dem er stammt, zubereiten darf, kommt man vielleicht leichter über seine eigene Kultur ins Gespräch“, meint Courage Coach Seraphina. Wenn das Ganze gut klappt, wollen sie die Aktion auch in anderen Klassen durchführen.

In den siebten Klassen gehen die Schüler mal auf eine andere Art und Weise an das Thema Muttersprache heran. Sie setzen sich mit dem Thema Gebärdensprache auseinander. Unter anderem mit dem Film „Verstehen sie die Béliers?“. „Zum Tag der Muttersprache gehört, Akzeptanz zu schaffen und Vielfalt wahrzunehmen“, so Stukenberg. Dabei ginge es eben nicht nur um verschiedene Nationalitäten, sondern auch darum, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung, die sich zum Beispiel nur mit Gebärdensprache verständigen können, akzeptiert werden.

Stukenberg selbst hat den Siebtklässlern an diesem Tag außerdem ein paar Wörter auf Plattdeutsch beigebracht. Denn auch diese Sprache sei kurz davor auszusterben.

Die Schüler aus der Klasse 6 sind ganz kreativ an das Thema Muttersprache herangegangen. Sie nutzen den Gedenktag, um ein größeres Kunst- und Informatikprojekt zu starten. Die Kinder malen dazu Bilder zu ihren Heimatländern – das sind Afghanistan, Rumänien, Polen, Russland, Libanon und Deutschland.

Sobald die Bilder fertig sind, sollen sie in einem Video einmal in ihrer Muttersprache und einmal auf Deutsch etwas über ihr Heimatland erzählen. Im Hintergrund soll dann ihr selbstgemaltes Bild mithilfe eines Green Screens auftauchen.

(c) Rinsche, Der Patriot, 26.02.2020

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