“Schüler studieren Musical mit Young Americans ein” :: Der Patriot

Anröchte.   Rund 350 Augenpaare folgen einem Baseball, als der durch die Luft fliegt. Ein kleiner Junge fängt ihn auf. Eine große Menge seiner Mitschüler scheinen dies zu feiern, schmeißen die Arme in die Luft und beginnen zu tanzen. Eine Szene wie aus dem Film High-School-Musical. Tatsächlich findet sie aber in Wirklichkeit statt – und zwar an der Sekundarschule Anröchte/Erwitte. Dort sind seit vier Jahren nun wieder die Young Americans zu Gast.

Drei Tage lang befindet sich die Schule im Ausnahmezustand. Seit Montasg wird an jeder Ecke getanzt, gesungen und gelacht – mal in der großen Menge, mal einzeln in kleinen Gruppen. Die Schüler bereiten sich in Anröchte gerade auf ihren großen Bühnenauftritt heute abend im Bürgerhaus vor. Und dabei lernen sie von angehenden Profis.

„Wir kommen vom Young Americans College of the Performing Arts“, erklärt Chloe, eine der jungen Amerikaner. Das sei eine private Universität in der Nähe von Los Angeles in Kalifornien. Dort würde einerseits eine sehr allgemeine Ausbildung gelehrt, wie es in den ersten zwei College-Jahren in den USA gewöhnlich ist, erklärt Chloe. Gleichzeitig würden sie in Musik, Tanz und Unterhaltung fit gemacht, um mit Schülern auf der ganzen Welt ein Musical einstudieren zu können. Sobald sie ein gutes Training durchlaufen haben, gehen die Stundenten in Gruppen von 40 Leuten auf Tour – als eine Art Freiwilligenarbeit neben dem Studium.

Proben mit Spaß verbinden

Wenn sie dann mit den Workshops in die Schulen oder Musikschulen gehen, läuft das laut Chloe immer nach dem Prinzip: „Wir studieren mit den Schülern etwas ein, ohne dass sie merken, dass sie etwas lernen.“ Auch in Anröchte schlägt das Konzept ein – die Schüler sind sichtlich begeistert dabei. Kaum einer kann sich den dauerhaft gutgelaunten und grinsenden Performern entziehen. Sogar David aus der fünften Klasse, der vor dem ganzen Projekt „überhaupt keinen Bock“ hatte, meint nun: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so viel Spaß macht.“

Langeweile kann während der Proben auch kaum aufkommen: Blitzschnell läuft alles. . Mal wird in der großen Gruppe getanzt. Mal ziehen sie sich einzelne Kinder raus und studieren in aller Kürze etwas ein. Und das alles mit ganz viel Gestikulieren und Nachahmen – denn die Young Americans sprechen nunmal Englisch und nur vereinzelt Wörter auf Deutsch. Was dann alles von außen betrachtet, wie ein großes, chaotisches Durcheinander wirkt, fügt sich bald zu einer Choreographie zusammen, die schon bei der ersten Wiederholung perfekt zu sitzen scheint.

„Das war vor vier Jahren auch schon so toll und wir freuen uns, dass wir die Young Americans auch dieses Jahr wieder an unserer Schule begrüßen dürfen“, freut sich Schulleiterin Carola Pichmann. Damals hätte nämlich nur die jetzige 9. und 10. Klasse davon profitiert – dieses Jahr sollten auch die jüngeren Stufen (5. bis 8. Klasse) ihre Chance bekommen. „Das bietet einfach eine tolle Möglichkeit sowohl die soft skills, als auch die Englischkenntnisse der Schüler zu verbessern“, so Pichmann. Daher wolle die Schule versuchen, die Gruppe alle vier Jahre einzuladen.

Drei Monate Tour, dann ins College

Allerdings werden es wohl nicht jedes Jahr dieselben jungen Amerikaner sein. „Ich bin letztes Mal auch nicht hier gewesen, aber witzigerweise mein Bruder“, so die 21-jährige Chloe aus Kalifornien. Denn jedes Mal würde eine andere Gruppe Studenten auf Tour gehen. Diese würde dann drei Monate dauern. Dann geht es wieder eine zeitlang zum College und wieder auf Tour. „Während der Touren übernachten wir dann immer bei Gastfamilien, das ist großartig. Denn so lernen wir die Kultur des jeweiligen Landes richtig kennen“, sagt Chloe. Bevor sie mit ihrer Gruppe nach Anröchte gekommen ist, sind sie bereits durch Litauen, Lettland und die Niederlande getourt. Anschließend geht es nach Hause: „Dann müssen wir für eine große Weihnachts-Show üben“, so die Kalifornierin.

Wenn die Gruppe auf Tour ist, dann muss jeder überall mitanpacken: „Wir müssen genauso die Bühne und das technische Equipment aufbauen, wie uns auch um die Kinder kümmern und ihnen Gesang und Tanz beibringen,“ sagt die 21-Jährige. Da wäre verschiedenstes Knowhow gefragt, was anschließend in den unterschiedlichsten Berufen zum Einsatz kommen könnte. „Einige werden zum Beispiel Performer in Disneyland, gehen zum Film und Fernsehen oder machen etwas ganz anderes“, erklärt die Studentin. Daher würde sie auch jedem raten ein Young American zu werden: „Es ist einfach magisch.“

Kate (21)

Neuseeland: Ich bin damals mit meinem Tanzstudio in Neuseeland nach Los Angeles geflogen, zu einer Tanz-Convention der Young Americans. Da gab es am Ende ein Vortanzen. Ich habe mitgemach und wurde genommen. Da es in meiner kleinen Heimatstadt sowas gar nicht gibt, war ich sofort dabei.

Niamh (19)

Schottland: Die Young Americans haben einen Workshop an meiner Schule gemacht. Ich habe mich sofort in sie verliebt und wollte einer von ihnen werden. Also habe ich mich beworben, wurde angenommen und bin nach Kalifornien gezogen. Nach der Schule will ich aber nach Schottland zurückkehren.

Daniel (20)

Deutschland: Meine Mutter hat mich gezwungen zu einem Workshop der Young Americans in meiner Musikschule in Kassel zu gehen. Es hat mir so gut gefallen, dass ich mich beworben habe. Jetzt lerne ich Deutschland aus einer anderen, schönen Perspektive kenne. Komplett zurück möchte ich aber nicht.

Momoka (21)

Japan: Jedes Jahr machen die Young Americans Workshops in Japan, seit ich elf bin, war ich jedes Mal dabei. Da ich gerne jüngeren in meiner Tanzschule das Tanzen beigebracht habe und ich gerne reise, habe ich mich dazu entschlossen, mich zu bewerben. Die Young Americans passen einfach perfekt zu mir.

Internationale „Americans“

Um ein Young American zu werden, muss man nicht gleich Amerikaner sein. Das beweisen diese vier Teilnehmer, die jetzt auch in Anröchte mit dabei gewesen sind:

 

Mit freundlicher Genehmigung, (c) Rinsche, Der Patriot

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