“70 Jahre Grundgesetz in Szene gesetzt” :: Der Patriot

Am 23. Mai feiert das Grundgesetz Geburtstag. 70 Jahre ist es dann her, dass die Bundesrepublik Deutschland eine Verfassung bekommen hat. Die Gemeinde Anröchte will das am 20. Mai feiern: Unter anderem mit einer Ausstellung der Schüler der Sekundarschule Anröchte.

Anröchte – „Das Grundgesetz schützt die Menschen in Deutschland genauso wie ein Regenschirm vor dem Regen.“ Mit dieser Metapher erklärt Susann Grimme-Rinsche, Kunstlehrerin an der Sekundarschule, ihren Schülern, wofür das Grundgesetz überhaupt gut ist. Das scheint hängen geblieben zu sein.

Denn als die Acht- und Zehntklässler beginnen, zu malen und zu zeichnen, taucht diese immer wieder in ihren Bildern auf. Die Sekundarschüler sollen Kunstwerke für eine Ausstellung rund um das Thema Grundgesetz kreieren. Dafür haben die Kunstlehrer jeweils die kreativsten Köpfe aus den Klassen herausgesucht, erklärt Grimme-Rinsche.

Die Großen aus der 8. und 10. Klasse haben am Montag mit dem Malen, Kleben und Zeichnen angefangen. Nachdem ihre Lehrerin ihnen erklärt hat, was das Grundgesetz überhaupt ist, haben sie sich Gedanken gemacht, wie sie das Gelernte kreativ aufs Papier bringen können – und da waren schon einige ganz tolle Ideen dabei:

Das Grundgesetz schützt uns alle.

Seraphina (14),
Schülerin der Sekundarschule

Die 14-jährige Seraphina zum Beispiel hat die Regenschirm-Metapher übernommen. Ihr Bild zeigt eine Wolke voller Beschimpfungen und Beleidigungen, die auf eine Person regnet, die am Boden kauert. „Der Mensch ist schon ganz verzweifelt“, erklärt die Schülerin. Eine andere Person hält einen Regenschirm, bedruckt mit lauter Paragrafenzeichen über ihn. „Das zeigt die Metapher, dass das Grundgesetz uns alle schützt – wie ein Regenschirm.“

Ein Vorher-Nachher-Bild hat der 15-jährige Maxim sich ausgedacht. Vier Szenen will er auf seiner Leinwand vorstellen – zwei aus der Zeit vor der Einführung des Grundgesetzes, zwei aus der Zeit danach. „In der Zeit davor zeige ich, wie früher zum Beispiel Schwarze und Juden schlechter behandelt wurden oder Gewalt ausgesetzt waren.“ Doch dann sei das Grundgesetz gekommen und habe dafür gesorgt, dass alle Menschen gleich behandelt würden und nun ein Teil der Gesellschaft sind.

Die 14-jährige Ayleen hingegen hat sich auf einen Artikel des Grundgesetzes konzentriert. „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt“. Das besagt Artikel 2, den sie in Bildern widerspiegeln will. Dafür hat sie eine graue Dame gemalt, deren Brustkorb sich öffnet und daraus strahlt ein Licht. „Was in diesem Licht zu sehen ist, soll widerspiegeln, was die Dame selbst sein möchte. Dass sie sich selbst so entfalten kann, wie sie möchte“, erklärt Ayleen.

Seraphina, Maxim, Ayleen und viele ihrer Mitschüler haben außerdem die deutsche Flagge in ihre Bilder miteingearbeitet. Die 16-jährige Valerie hingegen hat sich für den goldenen Bundesadler entschieden, um die Bundesrepublik in ihrem Kunstwerk zu repräsentieren. Ihr Objekt besteht aus zwei Teilen. Auf gold-glitzerndem Hintergrund hat sie, aus CDs ausgeschnitten, die Jahreszahlen 1949 und 2019 geklebt. „Die spiegelnden CDs sollen die Zeit reflektieren, die seitdem vergangen ist,“ sagt Valerie. Auf der zweiten Leinwand prangt der goldene Bundesadler. Rundherum eine Collage aus Worten: Optimismus, Frieden, Freiheit, Unterstützung und vieles mehr. „Dies soll zeigen, was das Grundgesetz alles ausmacht, geschafft hat und auch noch schaffen soll.“ Bei ihren letzten Worten zeigt sie auf zwei Bilder in ihrer Wort-Collage. Sie zeigen Frauen, die Burkas tragen. „In Zukunft sollte das Grundgesetz es nämlich noch schaffen, dass sich auch wirklich alle hier wohlfühlen“, so die 16-Jährige.

In Zukunft sollten sich alle hier wohlfühlen.

Valerie (16), Schülerin der Sekundarschule

Im Laufe der Woche sind auch noch die anderen Klassen dran, ihren Beitrag zu der Ausstellung zu kreieren. Die Jüngeren werden dann unter anderem Geburtstagskarten für das Grundgesetz gestalten, so Grimme-Rinsche.

Am 20. Mai sollen alle Werke im Bürgerhaus aufgehängt werden, sagt Alexandra Falkenau von der Gemeinde. Neben jedem Bild werde außerdem ein Schildchen angebracht – wie in einem richtigen Museum. Darauf solle dann stehen, wie wie das Bild heißt und wer es gestaltet hat. Fragen zur ihren Bildern wollen die Schüler dann auch während der Feierstunde am 20. Mai beantworten.

Später sollen einige Bilder außerdem noch im Rathaus und in der Schule ausgestellt werden. „Quasi wie eine Wanderausstellung“, scherzt Kunstlehrerin Grimme-Rinsche.

Die Geburtsstunde der deutschen Verfassung

Das Grundgesetz ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Es wurde von September 1948 bis Mai 1949 von dem sogenannten Parlamentarischen Rat in Bonn, dessen Mitglieder von den Landesparlamenten gewählt worden waren, beraten und am 8. Mai 1949 beschlossen. Die Alliierten genehmigten es. Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz schließlich verkündet. Zeitgleich wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Zunächst besaß das Grundgesetz faktisch nur für die Bundesrepublik Deutschland Geltung, denn die DDR gab sich am 30. Mai 1949 eine eigene Verfassung. Seit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 gilt das Grundgesetz für „das gesamte deutsche Volk“.

Geburtstagsfeier

„Wenn das Grundgesetz schon 70 Jahre alt wird, dann können wir das auch mal richtig feiern, haben wir uns gedacht“, sagte Alexandra Falkenau von der Gemeinde Anröchte. Und zu dieser Feier am Montag, 20. Mai, sind alle Interessierten eingeladen. Angekündigt hat sich auch André Kuper, Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen. Er will ein Grußwort sprechen. Außerdem soll Prof. Dr. Christoph Gusy, Professor am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Staatslehre und Verfassungsgeschichte der Universität Bielefeld, einen kurzweiligen Vortrag zum Thema „Das Grundgesetz zwischen Bewährung und Herausforderung“ halten. Los geht die Veranstaltung um 19 Uhr, voraussichtlich im Bürgerhaus. Anmeldungen sind bis zum 13. Mai unter c.wirth@anroechte.de möglich.

Mit freundlicher Genehmigung: Der Patriot, (c) Rinsche

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