“Mehr Mädchen wählen Informatik als Hauptfach” :: Der Patriot

Mehr Mädchen wählen Informatik als Hauptfach

Sonja Niggemeyer berichtet über gendersensible Berufsorientierung an der Sekundarschule

 

ANRÖCHTE / ERWITTE • Mädchen für Männerberufe begeistern – das ist das Ziel der Ausstellung „MINTorinnen – Eine Erfolgsgeschichte on Tour“ der Wirtschaftsförderung Kreis Soest, die jetzt in der Sekundarschule Anröchte / Erwitte Station machte. Acht Unternehmen aus dem Hochsauerlandkreis sowie dem Kreis Soest haben sich zusammengetan, um die Ausstellung zu ermöglichen. Patriot-Redakteurin Stephanie Assmann sprach aus diesem Anlass mit Studien- und Berufswahlkoordinatorin Sonja Niggemeyer über die gendersensible Berufsorientierung an der Sekundarschule.

Wie lange setzt sich die Sekundarschule bereits für Mädchen in Männerberufen und umgekehrt ein?

Sonja Niggemeyer: Im Schuljahr 2012/ 2013 ging die Sekundarschule an den Start. Da haben wir bereits am Boys- und Girls-Day teilgenommen. Wir haben uns also schon immer dafür eingesetzt. Weitere Projekte haben sich im Laufe der Zeit entwickelt.

Welche Stufen der Berufsorientierung durchlaufen die Schüler während ihrer Zeit auf der Sekundarschule?

Niggemeyer: Die Berufsorientierung beginnt bereits in der fünften und sechsten Jahrgangsstufe mit dem Boys- und Girls-Day. In der siebten Jahrgangsstufe nehmen die Schüler an dem Projekt „Komm auf Tour“ teil. Dabei können die Jugendlichen ihre eigenen Stärken entdecken. In der achten Jahrgangsstufe geht es für die Schüler mit der Potentialanalyse weiter. Die Schüler müssen drei Tagespraktika absolvieren. Hier arbeiten wir auch eng mit der bfw – Bildungsstätte Erwitte – zusammen. Langzeitpraktika absolvieren die Schüler in der neunten und zehnten Jahrgangsstufe. Wir besuchen die Agentur für Arbeit und das Berufsinformationszentrum in Soest. Außerdem ist die Berufsorientierung an den Deutschunterricht gekoppelt. Die Schüler lernen Bewerbungen zu schreiben. Einmal im Jahr findet ebenfalls für die Neunt- und Zehntklässler die Veranstaltung „Betriebe stellen sich vor“ am Standort in Anröchte statt.

Gibt es noch andere Projekte, bei denen sich die Schüler in die Rolle des anderen Geschlechts hineinversetzen müssen?

Niggemeyer: Ja, es gibt unter anderem noch das Projekt „UPS! – Ungewollt schwanger“, bei dem die Schüler plötzlich die Rolle der Eltern übernehmen müssen. In einem anderem Projekt haben die Schüler die Möglichkeit, einen mobilen oder stationären Roboter zu programmieren.

Wie sieht es mit Kooperationen mit anderen Firmen aus?

Niggemeyer: Wir arbeiten unter anderem mit der Firma Schlüter, IMI Hydronic Engeneering – ehemals Heimeier – und dem Lippe-Berufskolleg in Lippstadt zusammen. Die Schüler nehmen an Firmenbesichtigungen teil. Das Berufskolleg bietet für die Schüler auch praktische Kurse mit Holz und Elektronik an. Die sind immer sehr beliebt bei den Schülern.

Wie ist bisher die Resonanz der Schüler?

Niggemeyer: Die Schüler sind sehr aufgeschlossen. Viele Jungen interessieren sich zum Beispiel auch für den Beruf des Erziehers, des Sozialpädagogen und des Altenpflegers. Bei den Mädchen ist es sehr breit gefächert. Bei uns auf der Sekundarschule können die Schüler unter anderem auch Informatik als viertes Hauptfach wählen. Dafür entscheiden sich immer mehr Mädchen.

Sind in Zukunft noch weitere Projekte dieser Art geplant?

Niggemeyer: Wir machen eigentlich schon das, was man machen kann. Die Schüler setzen sich jedes Jahr mit dem Thema auseinander. Wir lassen sie damit nicht alleine. Sie sind nicht ziellos. Weitere Projekte nehmen wir gezielt nach den Sommerferien im nächsten Jahr in Angriff.

Mit freundlicher Genehmigung: 8.11.2017, Der Patriot