Sprachwerkstatt in Anröchte blüht auf

Sprachwerkstatt in Anröchte blüht auf

Als Lehrer vom Sekundarschulstandort in Erwitte statte ich unserer Sprachwerkstatt in Anröchte mit Fotoapparat einen Besuch ab, um mir im wahrsten Sinne ein Bild von unseren Neuankömmlingen zu machen.

Viel Arbeit wurde in dieses Projekt der Sprachwerkstatt gesteckt, welches in relativ kurzer Zeit umgesetzt werden musste, damit die schulpflichtigen Kinder aus den Flüchtlingsfamilien an unserer Schule nicht nur untergebracht werden konnten. Nein, sie sollen auch unter bestmöglichen Bedingungen schnell Deutsch lernen können. Da dies im Alltag in einer Schulklasse alleine nicht optimal funktioniert, hat sich eine große Steuergruppe unter der Leitung von Frau Stukenberg (Didaktische Leiterin) an die Arbeit gemacht, Material zu sammeln bzw. zu erstellen und diesen neuen Lernraum entsprechend einzurichten.

Vorsichtig öffne ich die Türe – im Glauben, der Raum sei bei der Stille nicht belegt – und überrascht stelle ich fest, dass verteilt in einer Sitzgruppe, an Regalen und einer Sesselecke 11 Kinder und 3 Erwachsene vertieft arbeiten. Die einen spielen ein Memory-Spiel, die anderen analysieren Bilder und benennen Gegenstände, wiederum andere blättern in Büchern. Diese Ruhe macht neugierig. Ich stelle mich kurz vor, meine Kamera wird gesehen, aber nicht groß zur Kenntnis genommen. Dann schaue ich den Gruppen zu und stelle fest, dass ich hier als Fremder gar nicht auffalle. Alle gehen ihren Tätigkeiten nach und das so, als wäre es schon lange ihr Ort, wo sie zur Schule gehen.

Als ich ihnen dann mit Blick auf die Kamera meinen Grund des Besuches eröffne und wenig später die ersten bitte, zum Platz für Portraits zu kommen, wird der Raum lebendig: Wie überall gibt es “Vordrängler” und “Vermeider”, wenn es um das Fotografieren geht, eine Beobachtung, die wohl somit internationale Gültigkeit hat. Als die ersten Bilder im Kasten sind, löst sich auch bei den letzten das Unbehagen auf:

Sie kommen gern, schauen in die Kamera.

Jetzt aber schießen mir Gedanken durch den Kopf. Wann mussten sie das letzte Mal für ein Bild posieren? Verbinden Sie das mit ihrer Flucht nach Deutschland? Vielleicht mit Erfahrungen, die sehr unangenehm in Erinnerung bleiben?

Aber dann lächeln sie. Das Eis ist gebrochen, mein mulmiges Gefühl ist weg und bei den Vorbereitungen zum abschließenden Gruppenfoto wuseln sie freudig um mich herum.

Für mich war es ein kurzer aber intensiver Besuch am frühen Morgen, der aufzeigte, wie diese bunte Gruppe mit den unterschiedlichsten Eindrücken der letzten Wochen und Monaten zusammen kommt und diese Sprachwerkstatt mit Leben füllt.

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(REN)