“Sekundarschule Anröchte: „Wichtig ist, erfolgreich zu lernen“” :: Der Patriot

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Erwitte/Anröchte – Die Sekundarschule Anröchte blickt in die Zukunft. Mit der Schließung des Standortes in Erwitte wird es ab dem Schuljahr 2021/2022 nur noch den Standort Anröchte geben. Wir haben mit der kommissarischen Schulleiterin Ute Stukenberg über ihre Pläne für die Schule gesprochen.

Mit welchem konkreten Konzept wollen Sie die Sekundarschule in die Zukunft führen?

Unsere Schülerinnen und Schüler lernen individuell und mit dem integrierten Konzept. Das beinhaltet das Arbeiten auf unterschiedlichen Kompetenzstufen im Klassenverband. 

Das bedeutet, dass alle Schülerinnen und Schüler ihren individuellen Kompetenzen entsprechend gefördert und gefordert werden. Wenn die Kinder bei uns ankommen, findet eine Diagnostik statt, die dann sichtbar macht, auf welchem Lernstand sie sind. 

Damit kann passgenau eingestiegen und Erfolge können sichtbar gemacht werden. Wichtig ist, dass die Schülerinnen und Schüler erfolgreich lernen, um Motivation aufzubauen und Freude am Lernen zu haben. Das geht immer besser durch positives Feedback.

Wie läuft das integrierte Lernen genau ab?

Durch den Fachunterricht und die IAZ-Stunden (individuelle Arbeitszeit) hat jedes Kind im Grunde sein eigenes Lerntempo, arbeitet also selbstständig und selbstgesteuert und kann den eigenen Lernstand nachvollziehen. 

Dann haben die Schülerinnen und Schüler auch die Möglichkeit ab Klasse 7 in Mathe und Englisch zwischen Grund- und Erweiterungsebenen zu wechseln, bleiben aber im Klassenverband zusammen. In Deutsch geht das ab Klasse 8 und in Physik ab Klasse 9.

Im Ausschuss des Schulzweckverbandes sollen Sie gesagt haben, dass das integrierte Lernen zuletzt praktisch kaum stattgefunden habe. Was ist da dran?

Das habe ich so nicht gesagt. Wir halten an dem Konzept fest, weil es alle Schülerinnen und Schüler mitnimmt und sie voneinander lernen. 

Ich habe gesagt, dass im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften in Klasse 10 und nur in Englisch und Deutsch auch eine Gruppenbildung eine Berechtigung hat, die danach differenziert, welchen Abschluss ein Kind anstrebt. Für alle Schülerinnen und Schüler gilt, dass sie die Ebenen je nach Fähigkeiten und Fertigkeiten wechseln können. 

Von dem integrierten Konzept profitieren alle, weil es die Kinder in ihren Kompetenzen stärkt.

Die Schulform Sekundarschule hat nicht den besten Ruf. Wie wollen Sie Eltern die Skepsis nehmen, ihr Kind anzumelden?

Ich möchte die Eltern damit überzeugen, dass sie sehen, wie gut unsere Abschlüsse sind. Viele Schülerinnen und Schüler kommen mit einer Hauptschul-Empfehlung, erreichen aber den mittleren Abschluss oder eine Qualifikation fürs Gymnasium. Man sieht schon, dass viele höhere Abschlüsse anstreben und auch erreichen. 

Viele Eltern wissen auch nicht, dass unsere Schülerinnen und Schüler erst ab der 9. Klasse sitzen bleiben können, weil da der erste Abschluss vergeben wird. Vorher läuft niemand Gefahr, nicht versetzt zu werden, es sei denn die Eltern wünschen eine freiwillige Wiederholung des Schuljahres. 

Ich möchte ergänzen, dass wir eine sehr gut funktionierende Berufswahlvorbereitung anbieten, die vielen Schülerinnen und Schülern den Weg in eine passgenaue Ausbildung öffnet.

Wie ist Ihre Meinung zur Schließung des Sekundarschulstandortes in Erwitte?

Ich sehe es positiv, dass wir künftig nur einen Schulstandort haben. Weil das für die Schülerinnen und Schüler noch mehr Identifikationsmöglichkeiten gibt, sie nicht hin und herziehen müssen, sondern ihre Sekundarschule dann für sechs Jahre an einem Standort besuchen können.

Zum Schluss ein kurzer Blick auf das vergangene Corona-Schuljahr. Wie lief der Unterricht in der Sekundarschule?

Der Online-Unterricht lief sehr gut. Die 5. bis 9. Klassen wurden wochenweise im Wechselunterricht unterrichtet. Die 10. Jahrgangsstufe hatte Hybrid-Unterricht, damit die Abschlussklassen intensiver teilnehmen konnten. Die Schülerinnen und Schüler, die im Distanzunterricht sind, werden dabei über Laptops dem Unterricht zugeschaltet. 

Sie können sich einbringen, Fragen stellen und aktiv mitarbeiten. Die Stunden sind auch so dargestellt, wie im Stundenplan. Das Lernen in der Notbetreuung und der begleitete Unterricht wurden durch iPads sehr gut unterstützt. Jeweils freitags haben wir iPad-gesteuerten Sprachunterricht angeboten.

Im kommenden Schuljahr gibt es zudem zwei iPad-Klassen in der fünften Jahrgangsstufe. So können die Schülerinnen und Schüler noch stärker individuell ihren Kompetenzen entsprechend arbeiten. Auch in den anderen Klassen kann iPad-gestützter Unterricht stattfinden. Dafür haben wir Leihgeräte. Mit einem engagierten Lehrerinnen- und Lehrerteam haben wir die digitale Kompetenz gut vorangebracht. 

Wir sind stolz auf unsere Schülerinnen und Schüler, weil sie sich so lernbegierig mit den Neuen Medien auseinandersetzen.

++++ Das Leitungsteam setzt auf eine enge Zusammenarbeit aller Akteure ++++

Das Leitungsteam der Sekundarschule Anröchte besteht aus vier Personen. Die kommissarische Schulleiterin Ute Stukenberg ist für die Organisationsentwicklung zuständig sowie für den Stunden- und Vertretungsplan.

„Ich sehe mich hier nicht nur im Rahmen des Verwaltens, sondern des Gestaltens.“ Wichtig ist es ihr zu betonen, dass „wir eine Teamschule sind. Ausgehend vom Schulleitteam arbeiten wir mit den Mitarbeitern, Schülern und Eltern zusammen“. 

Dirk Trombern ist Abteilungsleiter der 5. bis 7. Jahrgangsstufen. Er ist Ansprechpartner für Eltern und Kinder und berät beispielsweise bei Fragen zu den Übergängen zwischen den einzelnen Klassen oder den Wahlpflichtfächern. Für die 8. bis 10. Jahrgangsstufen ist Miriam Reuter verantwortlich. Ihr Fokus liegt im Bereich der Abschlüsse und dem Übergang zu weiteren Schulformen oder einer Ausbildung. 

Katharina Hens ist die didaktische Leiterin der Sekundarschule und kümmert sich um dieUnterrichtsentwicklung. So war sie maßgeblich am Leitbild der Schule beteiligt oder begleitet die Einführung der iPad-Klassen in den 5. Jahrgangsstufen. Zudem ist sie Ansprechpartnerin für die Fachschaften und die Sozialarbeiterin der Schule. Das Leitungsteam verweist auf drei Säulen der Schule: Neben dem integrierten Lernkonzept (siehe Interview) sind dies Integration und Inklusion.

Integration bezieht sich auf die Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Inklusion bedeutet, dass auch Kinder beschult werden, die zum Beispiel eine Lernschwäche oder auch körperliche Beeinträchtigungen haben. 

++++ Rat ist für Schließung des Standortes Erwitte ++++

Dieses Schuljahr der Sekundarschule wird das letzte sein, dass auch am Standort in Erwitte stattfindet.Im Stadtrat wurde die entsprechende Änderung der Satzung des Schulzweckverbandes Erwitte/Anröchte mehrheitlich beschlossen.

Erwittes Bürgermeister Hendrik Henneböhl machte im Rat jedoch klar, dass Erwitte sich nicht vom Acker mache: „Es ist ein klares Statement, dass wir uns zur weiteren Zusammenarbeit mit Anröchte bekennen.“ Den Schritt der Schließung befürwortet er: „Damit ist der Weg frei für eine komplette Restrukturierung der Erwitter Schullandschaft.“ 

So werde zunächst die Erich-Kästner-Grundschule 2022 sukzessive in die Räumlichkeiten der Sekundarschule ziehen. Da sei dann eine vierzügige Grundschule möglich. Auch genügend OGS-Plätze (Offene Ganztagsschule) seien dann vorhanden. 

Über eine weitere Nutzung der Gebäude der Erich-Kästner-Grundschule gebe es laut Henneböhl derzeit Gespräche mit anderen Schulträgern. Genaueres wollte der Bürgermeister aber noch nicht verraten.

Mit freundlicher Genehmigung: (c) ZIEMKE, Der Patriot

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